Dienstag, 2. Dezember 2014

Große Macht bringt auch große Verantwortung mit sich

"Wenn Extreme sich treffen"


Dies ist weder eine bisher unveröffentlichte Fortsetzung der Star-Wars-Filmreihe noch die Geschichte meiner heldenhaften Taten, die dazu führten, dass ich der erste weiße Ritter Tansanias wurde. Nein, im Grunde geht es um Macht und um die Verantwortung, die aus ihr folgt.
       Erst einmal ein saftiger Einstieg zum Aufwärmen: ich lebe in einer Zeit, die durch einen Überschuss an Mangos gekennzeichnet ist. Was das bedeutet liegt auf der Hand, wie die 300/= (300 tanzanian shillings), die man normalerweise für eine Mango zu bezahlen hat. Es bedeutet nämlich, dass zur Zeit Mangozeit ist. In manchen Fällen muss man sich aber trotz der gleisenden Hitze warm anziehen, denn dann heißt es feilschen. Manche autorisierte oder weniger autorisierten Obsthändler verlangen nämlich 500/= für eine Mango, was heruntergehandelt werden muss, da 25cent für eine große, reife und saftige Mango zwar nicht viel ist, aber 13cent weniger sind. So kommt es, dass ich, nachdem ich meine to-do-Liste abgearbeitet habe (oder nicht), meine Couch heimsuche und ein bis zwei Exemplar(e) besagter Frucht verzehre. Leider neigt sich diese Zeit voller Mangos schon wieder dem Ende zu.
       Ihr, die mehr oder weniger aufmerksamen Leser oder Passivleser, habt wahrscheinlich schon längst den Braten gerochen, wie ein Koch: der olle János redet um den heißen Brei rum (Hier wird dieser heiße Brei übrigens „“Ugali“ genannt, und aus Maismehl hergestellt). Mit Macht hatte der Blogeintrag bisher ja noch wenig zu tun. Geduld. Quasi Eile mit Weile. Um zu der in der Überschrift genannten Macht Stellung zu beziehen muss ich einige Tage zurückdenken, denn die Chose erstreckt sich über eine eher längere Zeitspanne. Da „“eher länger“ aber relativ ist, rücke ich jetzt einfach mit der Erläuterung raus: Vor einer gewissen Anzahl an Tagen wurde ich gebeten, doch bitte die Abschlussprüfung (Examination) für die sechsten Klassen in Englisch auf Englisch vorzubereiten. Grund dafür ist, dass ich zum einen die sechsten Klassen in Englisch unterrichte, und das Ganze deshalb nahe liegt und zum anderen, dass die Zeit der Abschlussprüfungen am Donnerstag begonnen haben. Da heute Sonntag, der 16.11.2014 ist, haben die Schüler der Ipembe Primary School schon zwei ganze Prüfungstage hinter sich. So bereitete ich also die Prüfung vor, tippte Besagte fein säuberlich via Tastatur in den Laptop ein und übergab das Ergebnis dem Schulleiter. Dieser schien mir zu vertrauen, genauso wie jeder andere, der auch nur im Entferntesten etwas mit der ganzen Sache zu tun hat, denn der Beitrag den ich geleistet habe, welcher Schüler schlecht schlafen lässt, wurde nicht kontrolliert, getadelt, zerrissen, belacht oder Ähnliches. Kurz gesagt, habe ich 50 Aufgaben entworfen, also eine Prüfung entworfen, deren Ausgang Einfluss darauf haben wird, ob meine Schüler ab 05.01.2015 die siebte Klasse besuchen werden oder weiterhin die Schulbank in der sechsten Klasse drücken müssen. Vielleicht wird jetzt klar, weshalb diese Macht, die ich hatte, eine Verantwortung mit sich bringt, die nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte, wie die Schaben, die ich auf meiner Ausrottungsmission erledigt habe. Besagte Schlacht wurde von mir vor einer Woche geführt, nachdem ich entdeckt hatte, dass sich eine bis viele Schabenfamilie(n) in meinem Schreibtisch eingenistet hatten. In einem Anflug des Hasses zerlegte ich also die Quelle des Problems (also den Schreibtisch, nicht die Schaben), bahnte mir mit dem Beweisstück meinen Weg ins Freie, bewaffnete mich mit sprühbarem Desinfektionsmittel und einer guten Reaktion und begann, die Schabenplage auszurotten. Am Ende blieben ca. 30 tote Schaben in einer am Vortag geleerten Butterdose und ein zufriedener selbsternannter Kammerjäger. Der Schreibtisch blieb noch ganze drei Tage vor der Tür, was zur Folge hatte, dass ich meinen Unterricht auf der Couch oder dem Bett vorbereiten musste und jede Menge Zeug hatte, welches den Teppich zierte. Zu dieser Zeit sah mein Zimmer eher nach einer Junkie-Bude aus.


02.12.2014 – „“Alles eine Sache der Definition“


Leider hatte ich in den letzten Tagen Schrägstrich Wochen keine ausreichende Menge an Motivationsenergie, um meinen Blog fertigzustellen. Daher folgt nun Teil 2, quasi die Fortsetzung.
In der letzten Zeit gab es wieder multiple Zusammenkünfte von einer handerlesenen Auswahl von Freiwilligen bei mir. Angefangen von dem Wochenende vor zwei Wochen, an welchem wir die Erhöhung Annes Alters um 1 Jahr feierten. Die Gute ist jetzt auch schon 20 Jahre jung, womit sie sich aber nicht lange brüsten kann, da meine Wenigkeit schon bald Level 21 erreicht. Den exakten Verlauf dieses Wochenendes hier zu beschreiben würde nur zu Langeweile führen, da der Verlauf dieses Wochenendes jenen der zurückliegenden Wochenenden entspricht. Man kochte, trank etwas Bier, tauschte sich auf Muttersprache aus und feierte das Leben.
Heute, Dienstag, der Tag vor der Abreise und ein typischer Nachmittag während der Regenzeit, sitze ich also endlich wieder schreibend und denkend unter den beiden Wäscheleinen auf der Couch in meinem Zimmer. Die Wäscheleinen habe ich aus dem einfachen Grund in meinem Zimmer installiert, da wie gesagt die Freiwilligenschar morgen ausschert und in Richtung Urlaub pilgert. Aus diesem Grunde habe ich vorbildlich und sogar von Hand (typisch tansanisch) meine gesamte bereits getragene Wäsche gewaschen und zum Trocknen aufgehängt, in der Hoffnung, dass sich die vielversprechende Regenfront noch ein paar Stunden geduldet, bis meine Kleidung getrocknet ist, um dann eingepackt zu werden. Leider war dies nicht der Fall, und so musste ich 10 Minuten nachdem ich die Kleidung in mühevoller Handarbeit aufgehängt hatte, Besagte wieder abhängen und sie in meinem Zimmer aufhängen. Meinen übergroßen Backpack habe ich auch schon abgestaubt, da dieser seit nunmehr 3 Monaten nicht mehr in Benutzung war, und somit ordentlich Staub angesetzt hatte. Dieser wird entweder heute in der Nacht oder morgen früh vor der Abfahrt gefüllt.
       Zurück zur Schule: seit 2 Tagen genieße ich die Freiheiten der Freizeit, da wir am letzten Freitag die Schule geschlossen habe und nun für knapp sechs Wochen „Ferien“ haben. Meine Schüler haben ziemlich gut abgeschnitten in meiner Englischprüfung, was mich natürlich ziemlich gefreut hat! Auf der Skala von A-E gab es lediglich A, B, C und D. Leider werde ich einige meiner bisherigen Sechstklässler nächstes Jahr wieder in der sechsten Klasse unterrichten, da sie ein Upgrade zur siebten Klasse leider verpasst haben.
Wir öffnen die Schule am fünften Januar wieder.
Ich möchte noch ein paar wenige Worte zum letzten Wochenende verlieren: am Samstag war ich auf zwei Feiern und kann bestätigen, dass man auf zwei Hochzeiten tatsächlich nicht gleichzeitig tanzen kann. Zuerst kam die Verabschiedungszeremonie einer Lehrerin unserer Schule, welche so war wie jede andere „“Feier“. Eigentlich ist das immer eine Zeremonie mit fest geplantem Programm und einem Gentleman, der durch das Programm führt. Leider liegt mir das Ganze nicht wirklich, da sich die Chose immer sehr lange hinzieht, meist mit ein bis zwei Stunden Verspätung beginnt und an sich sehr unspannend und nicht wirklich unterhaltsam ist. Auf jeden Fall war das abschließende Mahl erstklassig und so machte ich mich anschließend (es war bereits 19.30 Uhr Ortszeit) auf nach Hause, da mein baba seienen Geburtstag daheim feierte. Zu diesem Anlass kamen wieder einige Freiwillige angereist (Anne, Anika und der Gunter aus der Nähe von Moshi), um mit Richard zu feiern. Der erste Geburtstag eines Einheimischen, den ich hier miterleben durfte, stellte sich jedoch auch mehr als Zeremonie heraus. DerVerlauf war geplant und man wurde von meinem Gastbruder Benard durch das Programm geleitet. Nach dem Essen war die „“Feier“ auch schon wieder vorbei und man löste sich in Zerstreuung auf. Lediglich wir Freiwilligen und mein Gastbruder blieben übrig. Meine baba machte sich zusammen mit einem Freund auf in den Nightclub, um seinen Geburtstag im Kleinen noch etwas zu begießen und wir blieben hier, und feierten selbständig und ohne Aufsicht J
       Das Wichtigste bin ich entweder losgeworden oder ich habe es in den Untiefen meines Gedächtnisses irgendwo verloren. Auf jeden Fall gibt es noch einen Programmpunkt, den ich noch etwas ausleuchten möchte: die Sache mit dem Urlaub, der morgen beginnen wird. Die Safari wird also morgen beginnen und in 3 Wochen enden. Mein Gastbruder Benard hat mir schon mitgeteilt, dass er mich vermissen wird, was ich natürlich nur erwidern konnte, da man sich mittlerweile versteht wie Brüder und lebt wie Brüder. Die Hautfarben sind verschieden, die Muttersprachen sind sich nicht einmal ähnlich, aber das ist kein Problem. Man hat dieselben Interessen, ist im selben Alter und das reicht. Trotz der Sache mit den Sprachen versteht man sich wunderbar und wenn er oder ich das Geld hätte, würde er uns auf unserer Reise begleiten, da er seine Schulausbildung abgeschlossen hat und im Moment viel Zeit (und Lust) hat. Ich werde wohl in meinem nächsten Eintrag darüber berichten, was wir alles erlebt haben, da es euch nicht viel bringen wird, wenn ich euch die geplanten Stationen unserer Reise offenlege. Eins kann ich aber sagen: an meinem Geburtstag, also dem 15.12.2014 werde ich mir selbst etwas schenken, was euch Staunen lassen wird. Davon wird es dann auch eine Fotografie geben, also wartet es ab J

So, nun ist wieder einmal genug gesagt und wie immer viel mehr ungesagt, da viel mehr passiert als das, was ich für wichtig erachte, es euch mitzuteilen.

Grüße aus dem momentan temperaturmäßig angenehmen und verregneten Tansania,


Euer János





Typischerweise sieht der Weg vor unserem Grundstück nach einem Regenschauer so aus


Typischerweise sehe ich nach einem Regenschauer so aus, wenn ich vor unserem Grundstück stehe




So sieht mein Zimmer im Moment aus, da mir die Regenzeit beim Waschen dazwischengefunkt hat :0)


Anmerkung: Gunter und ich haben am Sonntag 5l Mango-Smoothie hergestellt, welcher am Montagabend bereits aufgebraucht war.

Anmerkung: für jene, welche mit der GTA-Reihe vertraut sind (vor allem mit GTA SA): diese Schriftart wird auch im Spiel verwendet. Meinem Lieblingsspiel.

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