Mittwoch, 31. Dezember 2014

In 23 Tagen durch 10 Welten

Wenn einer eine Reise tut...

...und andere dasselbe tun.


Einen wunderschönen Sonntagabend aus dem doch noch sehr warmen, verregneten Tansania, in welchem ich mich seit Kurzem wieder befinde. Ich war auf Reisen, jetzt bin ich wieder daheim. Erstaunlich wie schnell eine anfangs ungewohnte Umgebung zum neuen (allerdings temporären) zu Hause werden kann.
        Am besten ich beginne mit dem Anfang. Manche mögen sich vielleicht wundern, weshalb sie schon so lange nichts mehr vom "Afrikános" (wie mich meine Freunde in einem handschriftlich verfassten Geburtstagsgruß betitelten) gehört haben. Nun, das hat so seine Gründe - dass ich nichts zu erzählen habe ist keiner davon. Einerseits war ich die letzten drei Wochen damit beschäftigt Afrika zu erkunden, zumindest einen Teil. Andererseits wird die momentane Jahreszeit hier Regenzeit genannt und wie sich einige vermutlich denken können regnet es zurzeit in dieser Zeit. Wenn es nun also mal wieder regnet, so kann man die Sache mit dem Internet eigentlich vergessen. Oder es ist Stromausfall. Für diesen Fall habe ich eine Kerze und ein Buch mit Gruselgeschichten.

          Ein neuer Absatz bringt oft frischen Wind in komplexe, lange und gedanklich unordentlich geordnete niedergeschriebene Gedankengänge. Damit sich nicht bereits jetzt ein Großteil meiner Leserschaft mit den Worten/dem Gedanken "OhmeinGott,jetztschwafelterwieder,schweiftabundkommtehnieaufdenPunkt" vom Monitor abwendet, komme ich jetzt auf den besagten Punkt. Alles begann vor...vielen Tagen. Also ziemlich genau Anfang Dezember, nachdem die Schule bereits seit einigen Tagen geschlossen war. Am Vortag unserer (Ab-)Reise wusch ich noch fleißig alles, was sich waschen lies ohne sich zu wehren und war erzürnt, als sich ein Regenschauer von hinten anschlich und mich kalt erwischte, als ich gerade alles säuberlich auf Wäscheleinen aufgehängt hatte. Ich erinnere mich zurück an den Tag, an dem ich lernte, dass man mithilfe von problemlösungsorientiertem Denken Probleme lösungsorientiert lösen kann und begann, Wäscheleinen quer durch mein nahezu quadratisches Zimmer zu spannen. Grund hierfür war natürlich, dass besagte Dinge am nächsten Morgen mit auf die Reise mussten. Als alle Freiwilligen, die am nächsten Morgen zusammen mit mir abreisen wollten, bei mir eingetroffen waren, blieb uns nichts anderes übrig, als sich unter meiner trocknenden Kleidungsschaft zu versammeln. Bis auf die Tatsache, dass die Türe nicht mehr schließbar war, war das Unterfangen aber ein Riesenerfolg, denn am nächsten Morgen konnten meine Mitfreiwilligen, ich und vom Hoodie bis zur Socke alle mit auf die Reise - keiner musste da bleiben.
          Mit dieser mehr oder weniger sinnvollen Einrückung möchte ich nun zusammen mit euch an das sogenannte "Eingemachte" gehen. Unsere Reise begann also in meiner Stadt Singida (alternativ: in der Stadt, in der ich lebe, genannt Singida) am Busbahnhof und führte uns schnurstracks in die Landeshauptstadt Dodoma. An sich eine traurige Stadt, denn obwohl sie die Hauptstadt ist, befinden sich nur 25% des Verwaltungsapparates in dieser Stadt, die restlichen 75% in Dar-es-Salaam, der internationalen Küstengroßstadt Tansanias. Eigentlich kann man sagen, dass diese Stadt ziemlich versagt hat. Möglicherweise war das der Grund, weshalb wir nur eine Nacht dort verbracht haben. Möglicherweise mussten wir auch einfach nur weiter, weil der Zeitplan straff war, wie skinny-Jeans. Den zweiten und dritten Tag unserer Reise verbrachten wir in Iringa. Dort aß ich BBQ-Maiskolben und erwarb eine extra für mich angefertigte Hose im Dude-Style (vielleicht sind einige von euch mit dem Klassiker "The Big Lebowski" vertraut) auf dem Maasai-Market. Bereits in Dodoma, wo die Häuser höher sind als in Singida, ergriff die Mitfreiwillige Anika die Gelegenheit, sich Rastas flechten zu lassen. Nach gut 6 Stunden war es geschafft und fortan wandelten die beiden Mitfreiwilligen Anne (welche sich die Trendfrisur bereits im Heimatort hat reinflechten lassen) und Anika mit einem Echthaar-Falschhaar-Geflecht auf dem Haupt umher und ernteten nicht selten ganze Lobeshymnen dafür. Sie sähen jetzt aus wie Afrikanerinnen - meiner Meinung nach ist das eine Blutgrätsche was die politische Korrektheit dieser Äußerungen angeht, denn wie man ja weiß, besteht das gute Afrika (was nebenbei einen ganzen Kontinent darstellt und kein Land ist) aus 54 Ländern. Naja, völlig nebensächlich eigentlich, jedoch zeilenfüllend.
          Auf jeder Station unserer Reise musste man sich natürlich um den weiteren Fortgang kümmern und so war man gerade aus dem Bus gestiegen (in welchem wir bis zu 19,5h verweilten), mit Marschgepäck im Entenmarsch zu einer vom Busbahnhof weitentfernten günstigen Unterkunft gedackelt, hatte es sich gemütlich gemacht UND... musste direkt wieder los, um Bustickets für die nächste Station zu erwerben. Warum wir stets nach diesem Rezept reisten hat seine Gründe. Sobald man auch nur einen Fuß auf den bereisten Boden setzte wurde man von Taxi-Fahrern, Obstverkäufern, Ticketverkäufern, Irgendetwasverkäufern belagert und das Stresslevel stieg in jenen Bereich an, der bei Dauerzustand zu einem sogenanten "Burnout" führen würde. Um das zu vermeiden entfernte man sich und sein Gepäck, welches zudem schwer auf den Schultern lastete, vom Busbahnhof, um prioritätsgetreu erst einmal eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden (obwohl es meistens hauptsächlich ein Suchen war). Dort plante man, sein Gepäck wo anders als auf den eigenen Schultern ruhen zu lassen und erst einmal in einen komatösen verdammtnochmalendlichangekommen-Schlaf zu entschlummern. Nach wenigen Minuten standen aber bereits wieder die Mitfreiwilligen klopfend vor der Tür und man begab sich etwas entspannter als zuvor und mit deutlich  weniger Gesamtgewicht in die Schlacht, um Tickets zu erwerben. Auch wenn man bereits Tickets hatte, waren andere Ticketverkäufer nur schwer abzuwimmeln, wie Mücken an warmen Spätsommerabenden.


          Ich habe eben mit einem Blick auf bereits verfasstes entschieden, nicht alle Stationen zu nennen und auch weniger detailliert zu schreiben, außer es tut Not. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir im "Ruaha National Park". Für dieses Unterfangen mieteten wir uns einen geländetauglichen Land Rover mit aufklappbarem Dach und einen passenden Guide, der dazu noch fahren  konnte. Das aufklappbare Dach spiele an diesen zwei Tagen eine große Rolle, denn dank ihm konnten wir die Landschaft und die unglaubliche Tierkulisse, deren Bewunderung nur dank unserem fähigen Guide möglich war, stehend mit frischer Luft und ohne Blickfeldeinschränkung genießen...und fotografieren.




Auf unserer Reise quer durch den gigantischen Park trafen wir viele Wildtiere an, die man unter gewöhnlichen Umständen, nie zu Gesicht bekommt. Die Umstände waren keineswegs gewöhnlich, da man sich ja extra zur Erkundung der Tierwelt ein geländetaugliches Fortbewegungsmittel samt einem zur Fortbewegung des Fortbewegungsmittels fähigen Guide organisiert hatte. Da wir, wie ihr euch vermutlich schon gedacht habt, nicht volle zwei Tage mitsamt der dazwischenliegenden Nacht staunend umherdüsten, nächtigten wir in einem Familien…hütte inmitten des Parks. Tagsüber jedoch mussten wir aufpassen, dass wir uns gegenseitig daran erinnerten, ab und zu auch mal den Mund wieder zuzumachen, der vor lauter Staunen einfach immer wieder aufging, um uns vor Austrocknung zu schützen. Zusätzlich hatte ich folgende Dinge bei mir, die mir das Überleben sichern sollten: Sonnencreme (LSF 50+), eine Cap (grau), einen 6-Liter-Kanister H20, Bananen und Chapati (Pfannkuchen). Vor möglichen Raubtierangriffen schütze uns das Auto…und sonst nichts. Sich der Risiken bewusst stieg man also tapfer in die rollende Festung, um die Tierwelt zu dokumentieren, um der ohnehin schon zu vollen Tierbilddatenbank im Internet SEINE EIGENEN Bilder hinzuzufügen.
          Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass diese zwei Tage ihr Geld voll und ganz wert waren, der Guide wirklich fähig und verlässlich war und wir unglaubliche Landschaften und Momente mit wilden, bis dato noch nie gesehenen, Tieren genießen durften. Ich kam mir vor wie im "Dschungelbuch".

Hier ein paar Impressionen:









Irgendwann waren aber auch diese wunderbaren zwei Tage vorbei, nämlich nach ziemlich genau zwei Tagen. Man verließ den Park und begab sich immer noch im Rover wieder Richtung Iringa, wo man ja vor der Park-Safari bereits genächtigt hatte. Dasselbe Hotel, dieselben Zimmer. Alles beim Alten, nur an Erfahrung und Bildern war man reicher.
Unsere nächste Station hieß Mbeya, eine Stadt mitten in der Natur, so wie es schien. Grün wo auch immer man hinsah, Bäume am Straßenrand, Berge im Hintergrund und natürlich auch ein riesiger Berg direkt vor uns, der uns von unserer Unterkunft trennte. So stieg man den Berg hinauf, staunte und war begeistert, dass am Straßenrand Bananen gegrillt wurden. Diese BBQ-Bananen waren und sind eine Besonderheit, da ich sie weder davor noch danach jemals wieder gesehen habe. Eine weitere Besonderheit war, dass diese Bananen in Mbeya und Umgebung angepflanzt werden und daher lokal sind. Die meisten meiner Reisebegleiter waren nicht so begeistert wie ich, doch das hielt mich in keinster Weise davon ab, diese Gegebenheit Tag für Tag auszunutzen. Man muss wissen, dass es 3 des Besteigens würdige Berge mit Gipfeln gibt. Einige Menschen, die Arbeit haben, arbeiten nebenbei noch als tour guides. Wir trafen einige davon, doch da der genannte Preis nicht zusagte und man in einem Reiseführer gelesen hatte, dass es auch möglich sei, jenen Gipfel, welchen wir vorhatten zu besteigen, auch ohne tour guide zu besteigen. So plante man also für den darauffolgenden Morgen das Projekt Bergbesteigung auf eigene Faust anzugehen. Doch zu eigenen Fäusten kam es erst gar nicht, da wir durch eine Verkettung von Zufällen letzten Endes nicht mehr ohne tour guides dastanden. Das war so: mich packte wieder einmal der Hunger, doch da wir geplant hatten, später gemeinsam essen zu gehen, entschied ich mich für eine Hand voll BBQ-Bananen. Luisa und Michael, die besagte Köstlichkeiten bisher noch nicht gekostet hatten, waren Feuer und Flamme und begleiteten mich zum BBQ-Bananen-Händler meines Vertrauens. Jedoch war es schon spät am Abend und der Bananen-Griller war nicht mehr anzutreffen. So lief man den gesamten Berg, welchen man zuvor bestiegen hatte, wieder herunter, um am Busbahnhof auf Bananen-Griller zu treffen. Nachdem wir die Bananen sowohl erworben als auch verzehrt hatten, packte mich kurz vor unserem Hotel die Lust auf Fleischspieße. Glücklicherweise, dachte ich mir, wurden Fleischspieße direkt vor dem Hotel gegrillt. Leider waren diese mir dort zu teuer und das nächste, an das ich mich erinnere ist, dass wir Neffen der Hotelbesitzerin kennen lernten, mit ihm ins Gespräch kamen, von ihm auf Fleischspieße und Mangos eingeladen wurden und gefragt wurden, ob er und sein Bruder uns am nächsten Morgen auf unserer Wanderung begleiten dürften. Das durften sie natürlich und so kam es, dass Imani und sein Bruder Daniel, welche nebenbei tour guides sind, uns am nächsten Morgen begleiteten. Unverhofft kommt oft.



Ich persönlich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr Wandern gewesen und muss sagen, dass das Unternehmen echt seine Zeit wert war. Die beiden waren super nett und neben dem Fakt, dass ich mir zusammen mit Daniel auf dem Weg zum Gipfel eine Steinschleuder gebastelt habe, entsann sich Imani an seinen Geburtstag. Er hatte ihn vergessen. Kurzentschlossen lud er uns am Abend auf Bier und Mahlzeit im Hotel ein, um seinen vergessenen Geburtstag nachzufeiern. Leider sind wir tatsächlich noch alle zusammen essen gegangen und nachdem man sich im wieder im Hotel eingefunden hatte, brachte Imani Berge von Essen und Bier. Das Bier war kein Problem, jedoch hatte man sich im Restaurant ordentlich vollgestopft, da Imanis Worte während der Wanderung waren: „Ich lade euch heute Abend auf Bier und ein paar Happen ein“ (aus dem Englischen übersetzt von János Aicher). Da jeder eine ziemlich klare Vorstellung von Happen hatte, konnte keiner ahnen, dass Imani uns mit einer kompletten Mahlzeit für jeden überraschte. Man gab sein bestes für das vergessene Geburtstagskind. Die beiden haben tolle Lebenspläne und ich hoffe, sie während meines Freiwilligenjahres noch einmal zu sehen.
          Züge. An sich sind diese Wesen, gemacht aus Metall, etwas Tolles. Möchte man jedoch einen von ihnen von Mbeya nach Kapiri Mposhi nehmen und dieser verspätet sich, dann ist das nicht so erfreulich. Aber Moment – wir befinden uns in Tansania; an die pole pole (langsam) Lebensweise haben wir uns schon mehr oder weniger gewöhnt. Verspätungen werden erwartet, längeres Warten wird erwartet. Doch ich spreche hier von langen Wartezeiten, von so langen Wartezeiten, dass man am Bahnhof sowohl Frühstücken, ein zweites Mal Frühstücken, als auch Mittagessen konnte. Ich spreche von um 07:00 Uhr morgens am Bahnhof eintreffen und diesen um 17:00 Uhr am Abend mit dem Zug wieder zu verlassen. Nach 10 langen Stunden des Wartens auf den Zug war man also froh, dass man zwei Kabinen für sich hatte. Da wir nur zu siebt reisten, jede Kabine aber acht Schlafplätze aufwies und wir vor Dieben in, am und auf dem Zug gewarnt wurden, bezahlten wir auch noch den achten Platz, den wir nicht nutzen, um komplett alleine zu sein. Da wir in der Gruppe reisten, war es kein Problem, dass der Zug verdammt langsam fuhr und somit die Reise ziemlich lang dauerte. Mit einer Maximalgeschwindigkeit von gerade einmal 40km/h schlich man über die Schienen zur sambischen Grenze.




Dort angekommen mussten alle aussteigen, da eine Weiterreise ohne Visum nicht möglich, oder zumindest nicht erlaubt war. Wie es aber bereits schon öfter den Anschein hatte, machen sich Personen, deren Beruf in seiner Ausübung unsere Weiterreise ermöglichen würde, nicht allzu viel aus Terminen und Pünktlichkeit. So warteten alle Reisenden bis um 04:00 Uhr nachts in einem Warteraum oder nicht, denn wir saßen lieber im Freien und spielten Karten mit ein paar Schlücken Alkohol, welcher zuvor im Zug erworben wurde. Die Verantwortlichen kamen, wir holten uns unser Visum und durften endlich in den Zug. Guess what? – Auf unsere Reservierungen wurde wenig wert gelegt und dank der augenscheinlichen Möglichkeit der Doppelbelegung standen wir um vier Uhr nachts im Zug und hatten nur eine Schlafkabine an Stelle der zwei. Nach einigem Hin und Her bekamen wir die zweite Schlafkabine und konnten uns endlich aufs Ohr hauen. Als wir am selben Tag vormittags aufwachten standen wir immer noch am Bahnhof. Warum das so war konnte keiner so genau sagen, also wartete man einfach. Irgendwann fuhr man los und irgendwann später entdeckte ein Mitfreiwilliger, dass man im Zug duschen konnte. Das war mal eine Nachricht, über die sich jeder freute, denn die letzte Dusche lag schon eine Zeit zurück. Nur muss man wissen, dass es nicht leicht ist in einem fahrenden, alten Zug zu duschen, wenn zusätzlich noch die Türe immer wieder aufging. Voll eingeseift festzustellen, dass die Türe offensteht ist unangenehm. Sich in der Dusche zu schneiden ist unangenehm. Frisch geduscht in die Kabine zurückzukehren und sich wie neu geboren zu fühlen ist angenehm. Naja, auf jeden Fall war man irgendwann da und musste dem nächsten Problem ins Auge blicken: Die Dame am Ausgangstor wollte uns nicht passieren lassen, da wir unser gemeinsames Zugticket nicht vorzeigen konnten. Nach langem Suchen tauchte es zwar nicht auf, aber eine andere Tür tat sich auf. Die Mädels sprachen mit den Zugbegleitern und diese bestätigten unsere legale Mitreise im Zug. Bevor etwas passierte, was man hinterher vielleicht bereut hätte, tat sich die Tür auf, die Dame trat beiseite und ließ uns passieren.
          Der Plan war nun nach Livingstone zu gelangen, weil sich dort ganz in der Nähe die Viktoria-Wasserfälle befinden und wir dort einige teure, verrückte Aktivitäten geplant hatten. Nachdem wir zur Bushaltestelle gelaufen waren, weil uns die dalla dalla (Kleinbusse) Fahrer so richtig schön übers Ohr hauen wollten, ergatterten wir Tickets nach Lusaka. Leider war es nicht mehr möglich noch am selben Tag einen Anschlussbus nach Livingstone zu bekommen und so suchten wir uns in Lusaka eine Schlafmöglichkeit. Mit Suchen meine ich wirklich Suchen. Falsche Auskünfte, veraltete Reiseführer; als das werde ich nicht vermissen, wenn ich auf die Reise zurückblicke. Man muss wissen, dass Lusaka eine ziemlich große Stadt ist und Sambia doch anders ist als Tansania. So war es für mich ungelogen ein kleiner Kulturschock schöne, große und hohe Häuser, ein riesiges Einkaufszentrum mit Weihnachtsschmuck und sogar ein Kino dort anzutreffen. Das Kino nutzten wir noch am selben Abend, das Einkaufszentrum auch. Es gab sogar ein Feuerwerk, was den Abend krönte. Von Weihnachten war auf unserer Reise und zuvor in Singida nichts zu sehen, da nirgends Weihnachtsschmuck hing, nirgendwo Weihnachtslieder liefen und auch sonst die Kulisse sehr unweihnachtlich war.
          Der darauffolgende Tag wurde dafür genutzt, nach Livingstone zu reisen. Dort angekommen, sparte ich mir zusammen mit Gunter und Nathan das Geld für das Taxi zur Unterkunft für die nächsten vier Nächte, da das eine Taxi voll war und wir eh lieber laufen wollten. Somit hielten wir uns in Livingstone von allen Reisestationen am längsten auf. Die Unterkunft war ein Volltreffer. Das Paradies. Reife Riesenmangos fielen von Bäumen mitten im Hotelgarten während man in großen Pool aufweichte. Viele wissen wahrscheinlich, dass ich seit Ewigkeiten Mitglied des DLRG bin und die letzten zwei Jahre im Sommer im Strandbad Friedrichshafen als Rettungsschwimmer gearbeitet habe. Warum ich das erzähle hat einen einfachen Grund. Ich liebe das Schwimmen und leider gibt es hier trotz der zwei Seen, die Singida umgeben keine Möglichkeit, zu schwimmen. Die Gewässer sind nicht beschwimmbar. Deshalb war die Freude riesig, nach bald 4 Monaten wenigstens im Kleinen mal wieder im Wasser zu sein und zu schwimmen. Die nächsten Tage änderte sich nichts an der Freude, der Pool wurde von uns dauerbesetzt.





 Ein weiteres Charakteristikum des Hotels war eine Küche, in der man sich selbst sein Essen zubereiten konnte. Super Sache. Nach einem Großeinkauf um die Ecke wurde gekocht und am Pool gespeist. Nachdem wir ein paar Drinks am Pool hatten, gingen wir noch einmal nach draußen, weil wir während wir Drinks tranken Musik gehört hatten und eine Karaoke-Veranstaltung vermuteten. Nachdem wir der Geräuschursache auf den Grund gegangen waren, wurden wir unfreundlich der Tür verwiesen. Es hatte sich herausgestellt, dass es eine private Party von reichen Menschen war, die ziemlich viel älter waren als wir. Als wir uns auf den Heimweg machten, lernten wir durch Zufall (mal wieder einer) zwei junge Männer kennen, mit denen wir dann ganz spontan in einen Club gingen. Auch das war eine super Sache. Wir lernten jede Menge Leute aus der ganzen Welt kennen und wurden, nachdem der Club schloss, noch auf eine private Poolparty eingeladen. Ich muss sagen, der Abend hätte nicht besser geplant werden können. Dabei war er völlig ungeplant…
          Leider waren die Nächte unangenehm, da es nachts in den Zimmer fast unaushaltbar heiß war. Am nächsten Tag taten wir nichts. Wir verbrachten den Tag am Pool, in Restaurants und am Billardtisch…und auf den Couches an der Rezeption, denn es gab seit langem mal wieder Internetzugang. Wi-Fi. Noch ein Mal Schlafen und ich hatte Geburtstag. Ich muss sagen, ich kann nicht sagen, dass ich auf diesen Tag hingearbeitet hatte, denn aufgrund der situativen Bedingungen (Sand, Sonne, Hitze anstatt Beton, schlechtes Wetter oder Schnee und Kälte) musste ich von den anderen ständig daran erinnert werden, dass ich bald 21 werden würde. Gesagt, getan. Ich wurde 21 und als die Stunde 0 geschlagen hatten, bekam ich eine authentische, tansanische Geburtstagsfeier, jedoch am Pool. Nach einigen Stunden Schlaf machten wir uns auf in Richtung der Viktoria-Wasserfälle, da ich uns die Devil’s Pool Tour gebucht hatte. Warum ausgerechnet am fünfzehnten Dezember, wir waren doch vier Tage in Livingstone? Nun ja, ich habe mir diese kostspielige Tour selbst zum Geburtstag geschenkt und wollte an diesem besonderen Tag über den Abgrund schauen. Das Leben auf der einen Seite, der Tod auf der anderen.






Nach dieser unvergesslichen Erfahrung stand mir der Sinn nach Fahrradfahren und Lasagne essen. Beides sind schon seit jeher Charakteristika meiner Geburtstage. Warum? Ich liebe Lasagne. Aber warum Fahrradfahren? Nun ja, seht selbst (Deutschland):





Leider waren die Fahrräder, die wir am Hotel mieten können zum größten Teil ziemlicher Mist, aber wo Mountainbike draufsteht muss auch Mountainbike drin sein und so habe ich das arme Ding in keinster Weise geschont. Wir heizten, manche radelten, zur Brücke in der Nähe der Fälle, die Sambia von Simbabwe trennt. Logischerweise musste ich erst einmal über den Strich laufen, um sagen zu können, dass ich mal in Simbabwe war. Und das ohne Visum. Oha, was bin ich doch für ein Schlingel.
Nach einem Gewitter, das sich gewaschen hatte und doch sehr überraschend kam, fuhren wir zurück und gingen, dank fehlender Schutzbleche vom Dreck gesprenkelt, ungewaschen zum Einkaufen, da es bereits spät war und wir ja noch Kochen mussten. Frei wie ich war, ließ ich den Alkohol springen und das Geld für Essen wurde aufgeteilt. Viel gibt es an dieser Stelle nicht mehr zu sagen. Das Essen war köstlich und viel zu viel, so dass es die Nacht hindurch noch reichte. Der Rest des Abends war eines Geburtstages würdig und der Schlaf kurz.
          Der 16. Dezember war wohl für alle der teuerste Tag der ganzen Reise, denn an besagtem Tag unternahmen wir unabhängig voneinander Unternehmungen vom Pferdereiten bis hin zum Bungee-Sprung. Letzterer wurde von mir ausgeführt. Zusammen mit Nathan hatte ich am Vortag ohne ausreichend darüber nachzudenken eine Adrenalin-Combo gebucht, deren Preis ich nicht nennen möchte. Naja, ich lebe noch UND hatte zuvor meine Angst überwunden. Das war die Überwindung  meines Lebens – seht selbst:

Der Kampf vor dem Sprung






„Just hanging out“ trifft nicht ganz zu. Ich konnte mich tatsächlich erst nach einigen Minuten zurück auf festem Boden darüber freuen, würde es aber wohl nicht noch einmal machen.
Wer sich jemals von einer 111m hohen, an einer Brücke befestigten, Plattform Richtung Tod gestürzt hat, weiß vermutlich, wovon ich rede. Tatsächlich waren sowohl Psyche als auch Physe auf das Ende eingestellt, und vielleicht ist es gerade das, was viele am Bungee-Springen reizt. Man geht nämlich doch nicht drauf, Körper und Gehirn werden ausgetrickst, was ich aber erst realisiert habe, als ich vom Gummiseil ziemlich unsanft abgebremst wurde. Unter dem Strich kann ich also verlauten lassen, dass ich wohl nicht noch einmal so viel Geld ausgeben würde, um mich nach intensivem Ringen mit mir selbst von einer Brücke zu stürzen. Wäre an besagtem Tag tatsächlich irgendetwas passiert, hätte sich die Frage gestellt, in welchem Land ich denn gestorben bin – Sambia oder Simbabwe.
          Irgendwie war dieser Sprung im Übrigen der Auslöser dafür, dass ich die folgenden zwei Tage recht krank war. Unangenehm war schon während des Abbremsens des Falles, dass ca. 6 Liter Blut in mein Gehirn geschleudert wurden und ich mich ziemlich zusammen reißen musste, um nicht ohnmächtig zu werden. Kopfstand war noch nie mein Ding. Leider hielten die Kopfschmerzen die nächsten 4 Tage an.

          Nach einer unruhigen und viel zu heißen Nacht teilte sich die Reisegruppe und ich machte mich mit den drei Mädels auf in Richtung Heimat. Langweilig wäre es wohl gewesen, wenn wir einfach schnurstracks nach Hause gefahren wären, doch das war es nicht, denn wir hatten noch Pläne. So nahmen wir einen riesigen Umweg im Kauf, nämlich von Livingstone zuerst zurück nach Lusaka und am darauffolgenden Tag nach Mpulungu, um dort möglicherweise Tixx für eine Fähre zu bekommen, die nach Bujumbura (Burundi) fahren sollte. Bevor uns jetzt irgendetwas vorgeworfen wird, muss ich dazusagen, dass es schlicht und einfach nicht möglich war, vorher Tixx zu erwerben. Das lag an mehreren Gründen. Zum einem hängt nichts miteinander zusammen, sprich wenn man beispielsweise eine Zugkabine im Büro bucht, bedeutet das nicht, dass die Verantwortlichen im Zug selbst etwas davon wissen. Zum anderen konnte man nirgendwo anders als am Hafen selbst Tixx kaufen. Somit mussten wir wohl oder übel das Risiko eingehen, keine Fahrkarten zu bekommen, weil das Schiff schon ausgebucht sein könnte. Als wir nun in Mpulungu ankamen machten wir uns direkt auf zum Hafen, nur um herauszufinden, dass diese Fähre doch nicht käme. Da saß man nun, verzweifelt und ziemlich weit weg von zu Hause. Und hungrig, deshalb suchten wir das erstbeste „Restaurant“ auf und wurden von den unfähigsten Bedienungen bedient. Doch manchmal passiert etwas, was keiner erwartet. Wir lernten einen Alleinreisenden weißen Südafrikaner kennen, der am nächsten Morgen mit einem Containerschiff nach Bujumbura fahren wollte. Mit seiner Hilfe bekamen wir auch Karten und nach einer Nacht in einer traumhaft schönen Hütte, stiegen wir auf das cargo ship, wurden schlafkabinenbetrefflich übers Ohr gehauen, und landeten am Ende dank Anne und Anika doch noch in einer ordentlichen Kabine.








Nicht nur unsere Unterkunft in Mpulungu war wunderschön, nein, auch der Lake Tanganyika, an dem sich Mpulungu nämlich befindet, war atemberaubend. Der Tanganyika-See ist der längste See der Welt und dazu noch der zweittiefste See der Welt. Diese zwei Fakten und dazu das Containerschiff machten diesen Teil der Heimreise wirklich unvergesslich. Wir ernährten uns von Nudeln, Dosenbohnen und Keksen – und es war wirklich entspannt. Allein im Urlaub habe ich es fertig gebracht, zwei Bücher zu lesen, wofür ich normalerweise Monate brauche. 






Bereits auf dem Schiff lernte ich einige Menschen kennen, die der französischen Sprache mächtig waren, was mich wirklich ziemlich freute. Es stellte sich heraus, dass Burundi einmal belgische Kolonie war und dort bis heute noch Französisch gesprochen wird. Ich konnte meine Französisch-Kenntnisse (10 Jahre in der Schule) auffrischen und stellte fest, dass ich keine Lust habe, diese schöne Sprache zu verlernen. In meinem Geburtstags- und Weihnachtspaket aus der Heimat war dann auch ein Französisch-Übungsheft zu finden.
         Die eh schon geschröpfte Urlaubskasse wurde leider bei Einreise nach Burundi durch die 40$ Visum-Gebühren für drei Tage zusätzlich belastet. Zusammenfassend lässt sich der Aufenthalt in Bujumbura folgendermaßen beschreiben: Wir waren am Strand (dass wir mal an einem Strand waren wollte ausgenutzt werden), ich sprach so viel wie möglich auf Französisch, wir hatten neben unserem Hostel eine Bar, die Bierflaschen mit 720ml Füllmenge verkaufte und wir saßen einen Tag länger als geplant in Bujumbura fest, weil es einfach keine frühere Busverbindung gab. Am Morgen des 24. Dezember, Heiligabend in Deutschland, aber nicht in Tansania, machten wir uns als um 06:00 Uhr morgens auf dem Heimweg und waren 19,5 Stunden später in Singida. Endlich zu Hause!
Wir verbrachten zwar Heiligabend im Bus, hatten eine Reifenpanne und nur eine einzige Essenspause, aber ich hatte noch eine Dose Bohnen und Weihnachten wird in Tansania erst am fünfundzwanzgsten Dezember gefeiert – daher war das kein Problem.
         Insgesamt waren wir 23 Tage unterwegs, haben 10 Stationen abgeklappert und sind über 7.000km gereist. Die verbrachte Zeit in Bussen, Zügen, Autos und Schiffen lässt sich in mehreren Tagen ausdrücken. Genauergesagt 164,5h, also 6,85 Tage (davon Zug: 40h; Bus: 73,5h; Schiff: 46h; die verbrachte Zeit im Auto zwecks Safari wurde nur die Anfahrtszeit zum Nationalpark berechnet: insg. 5h, dalla dallas, bajajis und Taxen wurden ebenso wenig beachtet).

Unsere Reiseroute



Nun bin ich seit ein paar Tagen wieder daheim und bereits wieder voll im Alltagstrott. Am 05.01. nächstes Jahr wird die Schule wieder geöffnet und die Arbeit ruft wieder.

Falls ihr es tatsächlich geschafft habt, bis hierher zu lesen: Herzlichen Glückwunsch und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Hier ist es höchstens rutschig, weil der Regen den Sand in Matsch verwandelt.
Wenn ihr Böller habt: passt auf eure Finger auf!

Don’t drink and drive!

Euer János – bis nächstes Jahr :0)
(4.328 Wörter)





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